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Teures Hobby

Besitzer werden, ist nicht schwer – Besitzer sein, dagegen sehr…

Pferdebesitzer im Galopprennsport zu sein, hat über die vergangenen Jahrzehnte de facto sehr viel von seinem einstig elitären Flair eingebüßt – früher trafen sich auf der Galopprennbahn die Reichen und die Schönen, namhafte Persönlichkeiten trafen hier mitunter weitreichende Entscheidungen und zwischen den Rennen wurden die wirklich großen Geschäfte abgeschlossen; der sprichwörtliche “Sport der Könige” gehörte in bestimmten Kreisen einfach dazu. Heute tritt diese Klientel lieber in den nächsten Golfclub ein – und redet dort über’s Geschäft…

Der Besitz eines lebenden Wesens bringt Verantwortung mit sich – dessen muss man sich unbedingt klar werden, bevor man sich für den Kauf und den Unterhalt (Pensionskosten, Boxenmiete, Tierarzt, Hufschmied, Transport, Reitgelder,…) eines Rennpferdes entscheidet. Damit zu planen, auch nur einen Teil der zwangsläufigen Kosten über spätere Preisgelder oder gar Wettgewinne decken zu können, ist mehr als blauäugig. Sich als Besitzer ein Rennpferd zu halten, ist in der Bundsrepublik Deutschland daher garantiert kein billiges Unterfangen – es ist ein Hobby und Hobbies kosten naturgemäß Geld. In diesem konkreten Fall ist das aber in der Regel über einen längeren Zeitraum recht viel Geld – und das haben wohl die Wenigsten wirklich übrig.

Eine Folge: viele Galopptrainer unterbieten sich gegenseitig auf niedrigstem Niveau hinsichtlich der Pensionskosten oder treffen auch mitunter höchstriskante Absprachen mit einzelnen Besitzern, nur damit sie überhaupt Pferde in ihren Stall bekommen oder die bereits vorhandenen überhaupt behalten dürfen – beispielsweise à la: “Du zahlst nur die Hälfte, bis Deine Stute einmal gewonnen hat.” Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt…

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Hieraus entwickelt sich ein unschönes Szenario – die Trainer können kaum noch ihre eigenen Kosten decken und manche Besitzer halten sich bei diesen vergleichsweise niedrigen Kosten Pferde, obwohl sie sich selbst diese auf die Dauer eigentlich nicht leisten können.
Kann ein Besitzer dann definitiv nicht mehr zahlen – in diesem Fall wird sein Pferd erfahrungsgemäß auch nicht viel mehr als den Schlachtpreis wert sein – stehen meist Pensionskosten für mittlerweile mehrere Monate aus.
Eine andere Kategorie von Besitzern sind diejenigen, die zwar zahlen könnten, aber nicht zahlen wollen und partout versuchen, die Preise immer noch mehr zu drücken – und dabei kommen diese Individuen auf die kreativsten und perversesten Ideen. Ich persönlich habe wenig übrig für Menschen, denen ein fairer oder sogar wirklich günstiger Preis für was auch immer angeboten wird und die dann meinen, sie seien clever, wenn sie noch nicht einmal bereit sind, dem Gegenüber seine Selbstkosten zuzugestehen.

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 Leidtragende sind in beiden Fällen zuerst die Trainer, in der Folge dann aber deren Angestellte, Lieferanten, möglicherweise auch deren andere Besitzer, über kurz oder lang die Trainingszentralen und damit die Rennbahnen – im Gesamtergebnis also praktisch der gesamte Galopprennsport.

Eine gewisse Qualität muss nach meinem Dafürhalten auch ein gewisses Geld kosten – das gilt für sämtliche Dienstleitungen wie für alle Artikel des täglichen Bedarf bis hin zu jeglichen größeren Investitionen.
Übertragen auf den Galopprennsport sollte sich ein Besitzer somit beispielsweise folgende Frage stellen: Will ich für mein edles Englisches Vollblut nur einen Betreuer, der billig ist – oder aber einen Trainer, der seinen Preis wert ist, und: kann ich ihn mir überhaupt auf lange Sicht leisten?


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4 comments on “Teures Hobby

  1. rudolf beckmann on said:

    Teures Hobby und Qualität
    Das der Galopprennsport im allg. nicht billig sein kann versteht sich von selbst. Sind die Anschaffungskosten und die Zielsetzung im Vergleich zum Breitensport “Reiten” andere.
    Unterzieht man die Trainingsbetriebe einer kritischen Betrachtungsweise so muß man feststellen, dass die wenigsten von ihnen wie ein Unternehmen geführt werden. Das, was vor 40 Jahren noch ausreichte entspricht heute nicht mehr den Anforderungen. Es ist nicht mehr Zeitgemäß.
    Man hat sich den veränderten Marktsituationen einfach nicht angepasst. Das gilt Arbeitsabläufe, Trainingseinheiten, Ausbildung usw..

    Warum muß die Stallarbeit z.B. nach wie vormorgens um 5 Uhr beginnen und mittags enden bzw. um 16:30 Uhr für gut eine Stunde fortgesetzt werden.

    Warum muß der Arbeitsreiter die Boxen ausmisten, anstatt sich auf das Training zu konzentrieren.

    Training? Wie sieht das aus im Vergleich zu Früher?

    Früher wurde das Rennpferd nach gut 23 Stunden stehen in der Box gesattelt, Schritt geritten, warm getrabt und anschließend eine Rund gekentert.
    Und Heute? Es sieht nicht wirklich anders aus, oder?

    Ich vermisse eine ganzheitliche Sichtweise. Und dementsprechend auch geeignete Trainingsmethoden (aus der Dressur, Springen usw.) Nicht zu vergessen ist die Psyche. Ihr wird heute noch wenig Beachtung geschenkt.
    Rennpferde, die von der Koppel in den rennstall kommen waren bis dahin an Freiheit gewohnt. Sie müssen sich plötzlich mit einer ganz neuen Situation abfinden. Sich damit abfinden nur noch eingeschlossen zu sein. Sie müssen ihr auf der Koppel ausgelebtes Temrament zügeln. Sich er neuen Situation beugen. Werden sie jetzt nicht ausreichend gefordert, wird im ihnen wahrsten Sinne der Wille gebrochen. Es gibt Ausnahmen. Sicher! Aber der größte Teil leidet darunter.
    Ein Wesen, dessen Willen gebrochen ist, hat aufgegeben zu kämpfen.

    Nach wie vor wird die Meinung vertreten, dass ein rennpferd nur laufen können muß. Das können sie von Natur aus. Das muß der Mensch ihnen nicht beibringen. Die Aufgabe des Trainingsbetriebes ist es aber, mein Rennpferd und hier möchte ich einen weiteren begriff verwenden, meinen “Leistungsträger” so aufzubauen, dass er auch in der Lage ist, die auf ihn zu kommenden Prüfungen zu bestehen.

    Und so gesehen geschieht in deutschen Trainingsbetrieben wenig.

    Manch normales Reitpferd steht in einer Box die sauberer und großzügiger ist als das was an Boxen von den Rennvereinen angeboten wird. Hier herrscht oft ein großer Investitionstau. Moderne Reitbetriebe bieten die Möglichkeit der Weidengänge. Ein ganz wichtiges, sträflich vernachlässigtes Kriterium zur Stärkung der Psyche, der gesamten körperlichen Konstitution.

    Nach welchen Kriterien kann ich also als Besitzer gehen, wenn ich auf der Suche nach einem guten Trainingsbetrieb bin. Wo gibt es Unterschiede? Welche Leistungen bekomme ich für mein Geld. Wenn Sie mal ehrlich sind, da gibt es nicht viele.

    Investieren kann ich in viele Dinge. In Aktien , aber auch in rennpferde. So gesehen kann man die Anschaffung eines Rennpferdes auch als Invest bezeichnen.
    Bei einem Investment ist aber doch so, dass ich als Investor darauf bedacht bin einen höchstmöglichen Gewinn zu erzielen. Und Verluste so gering wie möglich zu halten.
    Umso unverständlicher ist mir das Verhalten mancher Investoren ihrem Invest (Rennpferd) gegenüber. Sie begnügen sich mit dem was ihnen von den Trainingsbetrieben angeboten wird.

    Ich denke das sich dieses verhalten erst ändern wird, wenn in den Köpfen der besitzer, Trainer u.a. sich die Sichtweise dem rennpferd gegenüber in der Weise ändert, dass man das Rennpferd als Leistungsträger/Invest ansieht. Erst dann wird sich die Qualität der Trainingsbetriebe und somit das Leistungsangebot verbessern.

  2. Turfblogger on said:

    Vielen Dank an dieser Stelle für ihre ausführliche und wirklich anregende Kommentierung.

    Ich gehe mit Ihnen eindeutig konform, dass viele Strukturen und Arbeitsabläufe innerhalb von Trainingsbetrieben aus betriebswirtschaftlicher Sicht mittlerweile antiquiert sind und dass es hier garantiert auch Optimierungspotential aber vor Allem Aktualisierungsbedarf gibt. Im ersten Moment fallen mir hierzu unter Anderem die Stichworte “Vertragsgestaltungen” und “Deutsches Arbeitsrecht” ein.

    Ein Besitzer gibt für mein Verständnis sein Pferd nicht in erster Linie in einen Trainingsbetrieb, sondern in die Obhut eines bestimmten Trainers – und die Trainerwahl ist in meinen Augen klar eine Vertrauenssache.

    Sicher, man kann seine Entscheidung anhand von bestimmten Anhaltspunkten versuchen zu objektivieren, bspw.: Welche Kriterien erfüllt der Stall / die ganze Trainingsanlage? Wer / welches Team betreut meinen Galopper? Welche anderen Schützlinge befinden sich in der Obhut des Trainers – passen mein Pferd und ich da in das Gesamtbild überhaupt ‘rein? Werdegang / Erfahrung des Trainers? Setzt der Trainer bestimmte Schwerpunkte / verfügt er über bestimmte Spezialitäten (bspw. Training von Hindernispferden o.ä.)?
    Welcher Trainer gerade im Moment Erfolg hat, wäre für mich sicher von nachrangiger Bedeutung, denn es ist damit nicht automatisch gesagt, dass dieser auch mit meinem Pferd Erfolg haben wird – aber gerade das denken manche Besitzer, die dann gerne permanentes “Trainerswitching” betreiben.
    Ob überhaupt ein Trainer jemals mit meinem Rennpferd Erfolg haben wird, sei dahingestellt; mit Pferden ist es in dieser Beziehung wie mit Menschen: Ich persönlich bin vielleicht nicht von Geburt aus unsportlich, jedoch wäre aus mir mit dem optimalen Training, der passenden Ernährung, der bestmöglichen medizinischen Betreuung und dem denkbar förderlichsten Umfeld garantiert immernoch kein Deutscher Meister im 100-Meter-Lauf geworden…

    - Fehlt aber das nötige Vertrauen, so wird man nie eine wirkliche Basis für ein längerfristiges Trainingsverhältnis finden.
    Kann man sich mit den Trainingsmethoden seines Trainers partout nicht anfreunden und findet man hierfür über kurz oder lang auch keine gemeinsame Lösung, so sollte man die Konsequenzen ziehen und entweder wechseln oder sein Rennpferd fortan selbst trainieren; nicht von Ungefähr gibt es den Status des Besitzertrainers.

    Man sollte hierbei aber nicht vergessen, dass Berufstrainer in der Regel Pferdewirtschaftsmeister sind und damit eine fundierte und anerkannte Ausbildung besitzen, über langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Galopprennsports verfügen und nicht zuletzt durch das Trainieren von Galopprennpferden ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen – gerade für kleinere Trainer steht oft recht schnell die gesamte wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel… und das bei einer regelmäßigen 7-Tage-Woche.

    • Rudolf Beckmann on said:

      Ich habe bewußt von Trainingsbetrieb gesprochen. Denn ein solcher Betrieb muß mehr leisten als das was heute geboten wird.
      In einem solchen Betrieb trainiert nicht nur ein Pferdewirtschaftsmeister der Fachrichtung ” Galopprennsport ” sondern auch ein Kollege der Fachrichtung ” Dressur “.
      Denn das Kerngeschäft eines solchen Betriebes ist es, den Leistungsträger optimal vor zu bereiten. Das beginnt beim geziehlten Aufbau von Sehnen und Muskulatur durch Übungen aus dem Bereich der Dressur. Vor allem Stärkung der Hinterhand.
      Setzt sich fort mit dem herausfinden der Leitungsfähigkeit des einzelnen Leistungsträgers durch festhalten der schnellsten Zeit über verschiedene Distanzen. Diese abgleichen mit der Zeit in gelaufenen Rennen. Dem prüfen der Herzfrequenz vorher und nachher und der Dokumentation der erhaltenen Daten. Das durchführen von Teamsitzungen vor und nach Rennen.
      Hiermit zeige ich nur einpaar wenige Möglichkeiten im Training von Leistungsträgern auf, die durchaus auch umsetzbar sind, um die Leistung des Rennpferdes besser einschätzen zu können. Und das alles ohne große Investitionen tätigen zu müssen. Wenn Sie so wollen, kostet das alles nichts.
      Beste Grüße

      • turfblogger on said:

        Wer sich so gut mit Pferden auskennt und auch derart konkrete Ansätze hat, sollte dieses Wissen meines Erachtens unbedingt nutzen und am Besten seine Pferde selbst trainieren – der Erfolg wird ihm dann (zumindest theoretisch) Recht geben und im gesamten Rennsport wird es dann zwangsweise über kurz oder lang zu einem Umdenken kommen.

        Ich lasse mich gerne überraschen und wünsche in jedem Fall: “Hals’ und Bein’!”

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